Vor fünf oder sechs Jahren war ich mit meinen damals knapp zweijährigen Zwillingen spazieren.
So wie so oft.
Sie spielten friedlich mit ihren Traktoren und Baggern, während ich zum ersten Mal bewusst einen Podcast hörte. Eine liebe Freundin hatte ihn mir empfohlen.
Das Thema:
Grenzen.
Mein erster Gedanke?
„Grenzen? Da kenne ich mich aus. Kindern muss man Grenzen setzen. Das weiss doch heute wirklich jeder.“
Ich hörte hinein. Neugierig.
Und ohne zu ahnen, dass diese Folge rückblickend einer der ersten Steine meiner Veränderung werden würde.
Denn:
Der Podcast handelte gar nicht von den Grenzen, die wir Kindern setzen.
Sondern von unseren eigenen Grenzen.
Davon, wie oft wir über sie gehen.
Ohne es zu merken.
Wie oft wir mehr geben, als wir eigentlich haben.
Wie oft wir unsere Grenzen gar nicht kennen.
Ich musste die Folge zweimal hören.
Nicht, weil ich den Inhalt nicht verstand.
Sondern weil etwas in mir langsam begann, sich zu bewegen. Und weil Veränderung auch ganz viel mit Wiederholung zu tun hat.
Denn plötzlich wurde mir bewusst:
Ich wusste gar nicht, wo meine eigenen Grenzen liegen.
Ich dachte einfach:
Ich bin belastbar.
Ich funktioniere.
Müde?
Normal.
Überfordert?
Gehört dazu.
Eigene Bedürfnisse?
Später.
Vielleicht kennst du das.
Gerade viele Mütter lernen früh:
für andere mitzudenken, aufzufangen, zu organisieren, zu tragen.
Und oft wird genau das als Stärke gesehen.
Doch manchmal verschwimmt und verschwindet dabei etwas:
Die Verbindung zu den eigenen Grenzen.
Ich gab oft mehr, als ich eigentlich hatte.
Nicht, weil andere es verlangten.
Sondern weil ich selbst dachte:
Ich müsste. Machen ja schliesslich alle so. Hat mir meine Mutter auch so vorgelebt.
Diese Erkenntnis hat mein Leben nicht von heute auf morgen verändert.
Nicht laut.
Nicht dramatisch.
Aber Schritt für Schritt.
Heute weiss ich:
Grenzen setzen bedeutet nicht automatisch, andere wegzuschieben.
Grenzen bedeuten vor allem:
Mich selbst nicht zu verlieren. Und mir selbst etwas wert zu sein.
Und vielleicht beginnt Selbstfürsorge nicht zuerst bei Wellness.
Nicht bei Auszeiten.
Nicht bei einem freien Abend.
So wertvoll all das sein kann.
Vielleicht beginnt Selbstfürsorge früher.
Hier:
Zu wissen, wo meine Grenze ist.
Denn:
Eine Grenze ist nicht gegen andere gerichtet.
Oft ist sie ein stilles:
Bis hierhin. Und nicht weiter.
Nicht gegen dich.
Nicht für andere.
Sondern für mich.
🌿
Rückblickend glaube ich:
Dieser Spaziergang war einer der ersten Steine meiner Veränderung.
Und manchmal frage ich mich:
Wie viele grosse Veränderungen beginnen mit einem Moment, der zunächst ganz unscheinbar wirkt?
Vielleicht kennst du auch so einen Moment.
Etwas, das damals klein erschien. Vielleicht sogar unbedeutend in dem Augenblick.
Und später plötzlich ein Anfang war.
🤍