Als meine Kinder kleiner waren, dachte ich lange, es wäre eine meiner wichtigsten Aufgaben als Mutter, sie glücklich zu machen.
Ich wollte, dass alle zufrieden sind.
Dass die Familienferien harmonisch verlaufen.
Dass Ausflüge allen gefallen.
Dass möglichst niemand traurig, wütend oder enttäuscht nach Hause geht.
Und wenn doch jemand unglücklich war, suchte ich den Fehler zuerst bei mir.
Hätte ich etwas anders planen sollen?
War ich zu streng?
Zu wenig aufmerksam?
Hätte ich früher eingreifen müssen?
Oder später?
Der Wunsch, alle glücklich zu machen
Mit vier Kindern lernt man ziemlich schnell, dass jedes Kind eigene Bedürfnisse, Wünsche und Vorstellungen hat.
Das eine möchte zum Spielplatz.
Das andere lieber baden.
Eines freut sich über ein Eis.
Das nächste hätte lieber Pommes gehabt.
Und manchmal reicht schon ein falscher Sitzplatz im Auto oder ein verregneter Nachmittag, damit die Stimmung kippt.
Ich erinnere mich an unzählige Familienausflüge, bei denen ich völlig entnervt war, weil immer mindestens ein Kind unzufrieden war. Und waren mal alle Kinder glücklich, hat dem Mann etwas nicht gepasst 😂
Eine Erkenntnis, die unglaublich entlastend war
Irgendwann wurde mir klar:
Ich kann gar nicht alle glücklich machen.
Und noch wichtiger:
Ich muss es auch gar nicht.
Ich kann nicht dafür sorgen, dass vier Kinder und zwei Erwachsene gleichzeitig glücklich sind.
Glück ist nichts, das wir für andere herstellen können.
Es entsteht aus unzähligen kleinen und grossen Erfahrungen, die jeder Mensch selbst macht.
Diese Erkenntnis hat mich unglaublich entlastet.
Nicht, weil mir plötzlich egal wurde, wie es meinen Kindern geht.
Ganz im Gegenteil.
Sondern weil ich begonnen habe, Verantwortung und Einfluss voneinander zu unterscheiden.
Was ist eigentlich meine Aufgabe?
Heute sehe ich meine Aufgabe als Mutter anders.
Ich muss meine Kinder nicht glücklich machen.
Ich darf sie dabei begleiten, ihren eigenen Weg zu finden.
Ich darf ihnen Werte vorleben.
Vertrauen schenken.
Grenzen setzen.
Halt geben.
Und ihnen nach und nach zutrauen, dass sie mit den Herausforderungen des Lebens umgehen lernen.
Das bedeutet oft auch, Frust auszuhalten.
Nicht jede Enttäuschung verhindern zu wollen.
Nicht jede Träne sofort wegzuwischen.
Nicht jede Schwierigkeit aus dem Weg zu räumen.
Das fällt mir bis heute in vielen Momenten alles andere als leicht.
Glück ist kein Dauerzustand
Vielleicht liegt hier ein Missverständnis, das viele Eltern begleitet.
Wir wünschen uns glückliche Kinder.
Doch Glück ist kein Dauerzustand.
Ein gesundes Leben beinhaltet Freude und Leichtigkeit.
Aber genauso gehören Frust, Langeweile, Enttäuschung, Unsicherheit und Traurigkeit dazu.
Wenn wir versuchen, unsere Kinder vor all diesen Gefühlen zu bewahren, nehmen wir ihnen gleichzeitig die unglaublich wichtige Möglichkeit, daran zu wachsen.
Kinder entwickeln Resilienz nicht, weil ihnen nie etwas Schweres passiert.
Sondern weil sie erleben:
“Ich kann schwierige Situationen bewältigen.”
Und weil sie wissen:
“Da ist jemand, der an mich glaubt.”
Vielleicht dürfen wir loslassen
Vielleicht dürfen wir als Eltern manchmal eine andere Frage stellen.
Nicht:
“Wie kann ich mein Kind glücklich machen?”
Sondern:
“Was braucht mein Kind heute, um Schritt für Schritt seinen eigenen Weg gehen zu können?”
Manchmal ist das Trost.
Manchmal eine Umarmung.
Manchmal ein klares Nein.
Manchmal einfach jemand, der zuhört.
Mein grösster Wunsch
Ich wünsche mir nicht, dass meine Kinder jeden Tag glücklich sind.
Ich wünsche mir, dass sie sich selbst vertrauen.
Dass sie Beziehungen gestalten können.
Dass sie Rückschläge überstehen.
Dass sie Verantwortung übernehmen.
Dass sie Mitgefühl entwickeln.
Und dass sie ihren eigenen Weg finden, auch dann, wenn ich irgendwann nicht mehr neben ihnen gehe.
Vielleicht ist genau das unsere Aufgabe als Eltern.
Nicht das Glück unserer Kinder in den Händen zu halten.
Sondern ihnen Wurzeln zu schenken, die Halt geben.
Und Flügel, die sie ihren eigenen Weg finden lassen.
Und noch ein ganz wichtiger Punkt zum Schluss:
Kinder müssen nicht immer glücklich sein.
Aber sie dürfen wissen, dass sie auch dann geliebt und gesehen werden, wenn sie es gerade nicht sind.